Bauwesen und Architektur der Stadt Görlitz - Repräsentationsformen an der Schwelle zur Frühen Neuzeit

von Maritta Iseler

Die oberlausitzische Stadt Görlitz war im ausgehenden Mittelalter eine bedeutende Handelsstadt mit etwa 10.000 Einwohnern. Ihre Lage zwischen Sachsen, Schlesien und Böhmen an der Via Regia – eine der ältesten und wichtigsten West-Ost-Verkehrsadern des europäischen Waren- und Kulturaustauschs von Franken und Hessen über Leipzig nach Breslau und Krakau – spiegelt sich in der Architektur wider. Insbesondere nach dem Brand 1525 setzte unter der Ägide des Stadtwerkmeisters Wendel Roskopf d. Ä. (um 1480–1549) ein reges Baugeschehen ein. Es entstand eine neuartige eigenständige Baukunst mit dem über Ungarn und Böhmen vermittelten Ornamentschatz der Renaissance unter Weiterverwendung tradierter Formen. Zahlreiche Gebäude haben sich nahezu unversehrt erhalten, darunter viele der sogenannten Görlitzer Hallenhäuser. Sie eignen sich hervorragend als Studienobjekte. Die vorliegende Monografie zeigt, dass hinter der Übernahme der Renaissance-Architektur tiefer gehende Interessen im Rahmen der städtischen Repräsentationsstrategien der regierenden Oberschicht standen, deren Grundlage die grenzüberschreitende Kommunikation der Akteure war. Ausführliche Analysen beleuchten den Einfluss und die Ziele von Auftraggebern und Bauleuten, die Organisation des städtischen Bauwesens, die vorhandenen Bausubstanz und die Funktion der antikisierenden Formen. Gleichermaßen entsteht das Bild der Arbeitswelt und der sozialen Stellung von Werkmeistern und Baukünstlern innerhalb der städtischen Gesellschaft an der Wende von Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, wie Wendel Roskopf, der ein typischer Vertreter seines Berufsstandes ist. Dieser Band enthält über 200 Abbildungen, eine tabellarische Übersicht über vorhandene Steinmetzzeichen, Quelleneditionen und ein ausführliches Literaturverzeichnis sowie Register.

Bernstadt a. d. E. 2014, VIII, 452 S., 225 sw-Abb., 30 Farbabb., 24x17 cm
ISBN 978-3-944104-07-2
29,90 Euro